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12. April 2022
NZZ Interview mit Guglielmo L. Brentel

«Die Menschen wollen fliegen»

Zürich könne nicht auf Gäste aus Übersee verzichten, sagt Guglielmo L. Brentel, Präsident von Zürich Tourismus. Doch wenn Fliegen teurer werde, sei das nicht schlecht. Sorgen bereitet ihm etwas anderes.


Etwas bereitet Ihnen Sorge: die anstehende Frontex-Abstimmung vom 15. Mai. Was hat die EU-Grenzschutzagentur mit dem Zürcher Tourismus zu tun?

Lehnt die Schweiz die Vorlage ab, wäre das Schengen-Abkommen Geschichte. Das wäre ein gewaltiger Rückschritt. Schengen erlaubt heute grenzenloses Reisen in Europa und ist ein Erfolgsmodell. Wer von ausserhalb einreist, braucht ein einziges Visum für den ganzen Schengen-Raum. Fällt dieser Vorteil weg, hat die Schweiz ein Problem.


Sie übertreiben. Es war doch schon vor Schengen möglich, die Schweiz zu besuchen.

Schon, aber früher brauchten Touristen für jedes Land in Europa ein separates Visum. Durch Schengen ist das Reisen einfacher und verlässlicher geworden. Vor allem Touristen aus Asien und den USA buchen in der Regel eine «Schengen-Reise» durch Europa. Wenn die Schweiz nicht mehr dabei ist, dann lassen sie unser Land aus – und das hätte grosse Nachteile.


Sie haben wenig Vertrauen in die attraktiven Destinationen der Schweiz. Sind diese nicht Anreiz genug für Touristen, um sich um ein separates Visum zu bemühen?

Der Schweizer Tourismus ist robust, das haben auch die zwei Jahre mit der Pandemie gezeigt. Aber weshalb ohne Not ein System aufgeben, das sich bewährt hat? Im Raum Zürich betrug die Bruttowertschöpfung im Tourismus vor der Pandemie rund 3,3 Milliarden Franken jährlich. Über die ganze Schweiz gesehen rechnen wir mit einer halben Milliarde Franken weniger, sollte die Schweiz aus dem Schengen-Raum austreten. Dieser Betrag wäre verkraftbar, aber doch beträchtlich. Der Tourismus beeinflusst als Motor auch den Detailhandel, Zulieferer und die Bauindustrie.


  • Das gesamte NZZ-Interview mit Guglielmo L. Brentel, Präsident Zürich Tourismus, vom 12. April 2022 lesen Sie hier.


Foto: Unsplash / Philipp Dubach